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Mathematics everywhere. From Pythagoras to big data. (Alles Mathematik. Von Pythagoras zu Big Data.) 4th extended edition. (German)
Heidelberg: Springer Spektrum (ISBN 978-3-658-09989-3/pbk; 978-3-658-09990-9/ebook). xi, 472~p. (2016).
Für die vierte Auflage dieser erfolgreichen und empfehlenswerten Sammlung von Aufsätzen über die Rolle der Mathematik in der heutigen Gesellschaft wurden noch einige Beiträge aufgenommen. Martin Henk und Günter Ziegler beschreiben die Lösung des Keplerschen Packungsproblems und weitere verwandte noch offene Probleme, John Sullivan erzählt mit vielen schönen Bildern über ungelöste Probleme in der Mathematik der Seifenblasen, und Eberhard Behrends befasst sich mit dem Vergleich von Wahlverfahren. Auch die beiden Artikel von Tim Conrad und Gitta Kutyniok über Big Data in der Medizin und in der Genetik greifen ein zeitgemäßes Thema auf, erwecken aber den Eindruck, als sei die mathematische Beherrschung der Aufarbeitung großer Datenmengen ein Segen für die Menschheit und nicht auch, wie Monk sagen würde, gleichzeitig ein Fluch. Selbst den Artikel von Artstein, der sich darin gefällt, Intuition und logische Strenge als Gegner anstatt als Partner darzustellen, können alle Leser als Bereicherung und Diskussionsgrundlage verstehen, die noch nie etwas von yin und yang gehört haben. Nicht nachvollziehen kann ich dagegen den Entschluss, diese Sammlung mit dem Artikel von Shalosh Ekhad und Doron Zeilberger über Empirische Mathematik zu “bereichern”. Bereits auf der ersten Seite erklären die beiden Autoren dem jungen Gauß, dass er, anstatt die Struktur der Summenformel $1 + 2 + 3 + \ldots + n = \frac{n(n+1)}2$ mit seiner Technik zu erklären, besser die ersten vier Zahlen berechnen hätte sollen, um dann mithilfe des Musters und mit unvollständiger Induktion das richtige Ergebnis für $n = 100$ vorherzusagen. Auf der letzten Seite widerlegen die beiden Wittgenstein mit einem Argument, dessen Loch ein mittelmäßiger Abiturient erkennen sollte, und dazwischen findet sich auch richtige Mathematik, die ohne die penetrante Arroganz, die sich durch den Text zieht, sicherlich einen sehr guten und lesbaren Artikel abgegeben hätte. Trotz dieses kleinen Wermutstropfens bleibt das vorliegende Buch ein imposantes Werk, das eindrucksvoll die Anwendungen der reinen und nicht ganz so reinen Mathematik in der heutigen Welt beschreibt, und das ich allen an Mathematik Interessierten, die es noch nicht besitzen, wärmstens empfehlen kann.
Reviewer: Franz Lemmermeyer (Jagstzell)
Classification: A80
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