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Mathematics multimodally. A linguistic study of communicative practices in higher education. (Mathematik multimodal. Eine sprachwissenschaftliche Untersuchung kommunikativer Verfahren im Hochschulunterricht.) (German)
Internationale Hochschulschriften 588. Münster: Waxmann; Zürich: Univ. Zürich, Philosophische Fakultät (Diss. 2012) (ISBN 978-3-8309-2815-7/pbk; 978-3-8309-7815-2/ebook). 347~p. (2013).
Die Mathematikdidaktik ist ein wissenschaftliches Betätigungsfeld, das sich insbesondere durch seine enge Bindung zu den Bezugsdisziplinen auszeichnet, allen voran natürlich zur Mathematik oder etwa zur Psychologie, zur Pädagogik oder zur Philosophie. Wegweisende Impulse für die Mathematikdidaktik lassen sich nicht selten zurückverfolgen zu parallelen Entwicklungen in Nachbardisziplinen. Einen wesentlichen Meilenstein in der Philosophie etwa markiert die linguistische Wende: Der Rolle der Sprache wird vor allem in den geistes- und sozialwissenschaftlichen Nachbardisziplinen ‒ und auch in der Mathematikdidaktik ‒ fortan eine fundmentale Bedeutung beigemessen. In dieser Perspektive sind insbesondere sprachwissenschaftliche Erkenntnisse für die Mathematikdidaktik von großer Bedeutung ‒ und doch, so eine der Ausgangsthesen in Stefan Jörrissens Dissertation zu kommunikativen Verfahren im Hochschulunterricht, könnten gerade die Berührungspunkte zwischen Mathematikdidaktik und Sprachwissenschaften deutlich intensiviert werden. Stefan Jörissen stellt sich mit seinem Buch “Mathematik multimodal” der Herausforderung, das mathematikdidaktische Erkenntnisspektrum aus sprachwissenschaftlicher Sicht zu erweitern. Arbeiten wie diese, die explizit den Brückenschlag zwischen zwei Forschungsdisziplinen zum Gegenstand haben, sind für die mathematikdidaktische Erkenntnisgenese von großem Wert ‒ sie stehen aber gleichsam vor der Herausforderung, die Perspektiven zweier ‒ z.T. ganz unterschiedlichen Forschungslogiken entsprechenden ‒ Disziplinen miteinander zu verknüpfen und im Rahmen eines kohärenten Gesamtprojektes zusammen zu bringen. In diesem Zusammenhang ist es eine der Stärken der Arbeit, wesentliche mathematikdidaktische Forschungsstränge ‒ etwa zur Interaktionsforschung oder zu semiotischer und metapherntheoretischer Forschung sowie zu den Beziehungen zwischen mathematikdidaktischen Arbeiten zum Gebrauch von Fachsprache im Unterricht und (dann eher sprachwissenschaftlich motivierten) Arbeiten aus der Perspektive der ethnomethodologischen Gesprächsanalyse ‒ in einer sprachwissenschaftlichen Perspektive zu systematisieren und einzuordnen. Inhaltlich diskussionswürdig ist die Arbeit allerdings an einigen Stellen, die die “Außenwahrnehmung” der Mathematikdidaktik aus der Sicht des Autors darstellen. So wird etwa die These vertreten, mathematikdidaktische “Untersuchungen beruhen nicht oder kaum auf empirischen Daten, sondern berufen sich auf die Intuition und die (Lehr-) Erfahrung der Autorinnen und Autoren” (ebd. S. 80) oder etwa, dass Mathematikdidaktik “sich bisher fast ausschließlich dem Makrobereich der Unterrichtsgestaltung gewidmet” (ebd. S. 318) habe, nicht aber der “Etablierung einer eigentlichen Mikrodidaktik, die als Ergänzung zur herkömmlichen Didaktik den Fokus auf die Details des kommunikativen Handelns lenkt” (ebd. S. 318, Hervorhebung im Original). Dass sich solche Behauptungen in dieser Allgemeinheit als nur bedingt haltbar erweisen, ist eine der wenigen Einschränkungen, die der Rezensent für diese Arbeit hervorhebt. Stefan Jörissen generiert mit seiner sprachwissenschaftlichen Studie zu Multimodalität im Hochschulunterricht einige bedeutsame Erkenntnisse, vor allem, weil er im Rahmen seiner Studie Erkenntnisse zur Vermittlung mathematischer Inhalte im Hochschulunterricht (technische Studiengänge einer Schweizer Fachhochschule) aus spezifisch sprachwissenschaftlicher Sicht vorlegt und dabei in einem qualitativen sprachwissenschaftlichen Setting die kommunikativen Mittel der Diskursbeteiligten sehr präzise herausarbeitet. Damit leistet er einen lesenswerten Beitrag zur Fach- und Sprachdidaktik der Hochschulmathematik.
Reviewer: Florian Schacht (Dortmund)
Classification: C55 C54 C75 C74
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